Doppeltes Jubiläum – 100 Jahre Ingeborg Bachmann und 50. Bachmannpreis: Mehr als 50 Jahre nach ihrem tragischen Tod 1973 in Rom ist Ingeborg Bachmann – zweifellos eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen der Nachkriegszeit – noch lange nicht vergessen. Wer war diese ikonische Dichterin, deren Geburtstag sich am 25. Juni zum 100. Mal jährt? Nach eigenen Aussagen war das Schreiben für die gebürtige Kärntnerin existenzielle Notwendigkeit und untrennbar mit ihrem Sein und ihrer Identität verbunden. Zum Jubiläum wird die außergewöhnliche Künstlerin in zahlreichen Biografien gewürdigt, etwa in Andrea Stolls Buch "Zwei Menschen sind in mir", in dem die erfahrene Bachmann-Forscherin viele Rätsel im Leben der Schriftstellerin von den Anfängen bis zum Tod offenlegen kann. Rechtzeitig zum Hundertsten kommt auch der semidokumentarische Film "Ingeborg Bachmann: Jemand, der einmal ich war" mit Sandra Hüller ins Kino. Die an den "kulturMONTAG" anschließende neue ORF-Dokumentation "Dichten für die Wahrheit" rollt das Leben der Bachmann und ihre schwierigen Liebesbeziehungen mit prominenten Literaten neu auf. Und die österreichische Künstlerin Deborah Sengl hat sich von Ingeborg Bachmann zu neuen Arbeiten inspirieren lassen, die im Jubiläumsjahr auf Schloss Ebenau in Kärnten gezeigt werden. Kurz vor der Eröffnung der 50. Jubiläumsausgabe der "Tage der deutschsprachigen Literatur" ist Jury-Vorsitzender Klaus Kastberger auf Stippvisite im "kulturMONTAG"-Studio. Im Gespräch mit Peter Schneeberger erzählt der leidenschaftliche Literaturvermittler, warum er als Juror beim Bachmannpreis seine Abschiedsvorstellung gibt, wie sich Literaturkritik im Laufe der Zeit verändert hat, und er gibt auch Einblicke in die budgetär angespannte Kulturszene in der Steiermark, wo er seit mehr als zehn Jahren an der Grazer Uni unterrichtet und seit 2019 das Literaturhaus Graz leitet. Lebende Legende – Wolfgang Ambros' neuer Song: Auch er ist längst österreichisches Kulturgut und hat sich mit seinen Liedern ins kollektive Gedächtnis seines Publikums eingebrannt. Mit Songs wie "Da Hofa", "Zwickt's mi" oder "Schifoan" hat Wolfgang Ambros Geschichte geschrieben. Aber auch berührende Austropop-Klassiker hat der heute 74-jährige Wiener geschaffen, etwa sein Lied "Gezeichnet fürs Leben" im Jahr 1980, in dem er die Geschichte eines verzweifelten Jugendlichen erzählt, der nach einem Diebstahl und Konflikten mit dem Vater keinen Ausweg mehr sieht. Auch wenn das Leben manchmal absurd erscheint und der Tod immer das letzte Wort hat, wendet sich das musikalische Urgestein jetzt mit einer optimistischen Botschaft an seine Fans. Ende Juni veröffentlicht der Liedermacher und Austropop-Mitbegründer einen neuen Song: die Coverversion eines Monty-Python-Klassikers, in der er sich der "Sunnseitn" des Lebens widmet. Der "kulturMONTAG" mit einer exklusiven Premiere. Überfällige Wiedergeburt – Italiens Kulturhauptstadt L'Aquila": Vor 17 Jahren erschütterte ein schweres Erdbeben die Hauptstadt der mittelitalienischen Region Abruzzen. Der Wiederaufbau von L'Aquila ist aber noch lange nicht vollendet. Als ein wichtiger Schritt in die erhoffte "Wiedergeburt" wurde ihr der Titel "Kulturhauptstadt Italiens" verliehen. Mit mehr als 300 Veranstaltungen – von Konzerten über Performances, Ausstellungen bis zu Diskussionsveranstaltungen und Lesungen – wird das Kulturhauptstadtjahr gefeiert und sollen Gäste aus aller Welt angelockt werden. Der Legende nach ist der Stadtverbund von L'Aquila im 13. Jahrhundert durch den Zusammenschluss von 99 Burgen entstanden, weswegen es heute in der Stadt 99 Kirchen, 99 Plätze und 99 Brunnen geben soll. In ihrer gut acht Jahrhunderte währenden Geschichte wurde L'Aquila von sechs schweren Beben heimgesucht, von den vielen kleineren ganz zu schweigen. Nach dem vorerst letzten Beben mit der Stärke 6,3 in der Nacht zum 6. April 2009, das 60.000 Gebäude der Stadt zerstörte oder stark beschädigte, dazu weitere 64 Kleinstädte, Dörfer und Weiler, 309 Todesopfer und mehr als 1.600 Verletzte forderte sowie 80.000 Menschen in L'Aquila und Umgebung obdachlos machte, ist die Altstadt zwar noch immer eine Baustelle, aber der quirlige Alltag ist zurückgekehrt. Der "kulturMONTAG" mit einem Lokalaugenschein.